Historischer Kiez 2 – Das Neuköllner Wappen

Die meisten Wappen haben eine Geschichte, so auch unseres. Das Leitmotiv dieser Geschichte ist die Migration, die schon immer Neukölln prägte.

So war es auch, als 1737 der König Preußens und Kurfürst Friedrich Wilhelm I mehrere hundert Geflüchtete nach Rixdorf holte. Damals war die Mark Brandenburg nicht sehr stark besiedelt und auch Rixdorf war im wahrsten Sinne des Wortes ein Dorf. Ein paar hundert Menschen tummelten sich um den Richardplatz, nahe der Berliner Straße, die heute Karl Marx Straße heißt.

Das historische Rixdorf. 1 = Böhmisch-Rixdorf, 2 = Deutsch-Rixdorf, 3 = Heutige Karl Marx Straße, ehemalige Berliner Straße

Die Geflüchteten kamen aus Böhmen und mussten aufgrund ihrer evangelischen Religion fliehen. Über einen „Umweg“ über Herrnhut in Sachsen, kamen sie nach Rixdorf und siedelten sich nach Einladung entlang der Richardstraße an. Ihnen wurden Grundstücke, Häuser und ein „Starter-Kit“ für die Landwirtschaft bereitgestellt.

Ab 1737 bestanden die beiden Dörfer Deutsch-Rixdorf und Böhmisch-Rixdorf nebeneinander. Jedes Dorf hatte einen eigenes Oberhaupt, eine eigene Kirche und zu Beginn sogar zwei verschiedene Sprachen – deutsch und tschechisch. Nach über 100 Jahren wuchsen sie 1874 zusammen und bildeten die Kleinstadt Rixdorf.

Das Neuköllner Wappen beim Körnerpark

Doch zurück zum Wappen. Wie auf dem Foto zu sehen ist, besteht es aus drei Teilen. Von unten nach oben sehen wir zuerst das Johanniterkreuz, also das Symbol des Ordens, der Rixdorf gründete. Links ist der Hussitenkelch zu sehen, der symbolisch für den Glauben der böhmischen Rixdorfer:innen steht. Jan Hus war ein Reformator der katholischen Kirche, der als Ketzer 1415 verbrannt wurde. Rechts sieht man den Brandenburger Adler. Das Ganze krönt eine Stadtmauer, die auf das Stadtrecht von 1899 anspielt, sowie der Berliner Bär, der den Eintritt in die Stadt Berlin 1912 symbolisiert.

Ganz schön integrativ für ein Wappen, was?

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